Akkordeon sieht kompliziert aus. Rechts Tasten oder Knöpfe, links viele Bassknöpfe, dazwischen ein Balg, der nie einfach nur Dekoration ist. Wer davor sitzt, kann leicht denken: Das ist zu viel für zwei Hände und einen Kopf.
Die ehrliche Antwort: Akkordeon ist lernbar, aber es ist kein Instrument, das sich mit bloßem Durchspielen erschließt. Man braucht Reihenfolge. Wenn die stimmt, wird aus dem großen Durcheinander eine Reihe kleiner Aufgaben.
Was am Akkordeon am Anfang leicht ist
Du bekommst relativ früh einen vollen Klang. Schon eine einfache Melodie mit einem Grundbass hat Körper. Das ist motivierend, weil das Instrument nicht erst nach jahrelanger Technik nach Musik klingt.
Auch die rechte Hand ist für viele überschaubar, besonders beim Pianoakkordeon, wenn Klavierkenntnisse vorhanden sind. Wer keine Vorkenntnisse hat, kann trotzdem beginnen, solange die Melodien klein gehalten werden.
Was wirklich schwierig ist
- Die linke Hand arbeitet ohne Sichtkontakt.
- Der Balg muss Luft geben, ohne den Rhythmus zu stören.
- Beide Hände haben unterschiedliche Aufgaben.
- Das Instrument hat Gewicht und braucht eine gute Sitzposition.
- Zu schwere Stücke klingen schnell zerfasert.
Die linke Hand ist für viele die größte Überraschung. Man sieht die Knöpfe nicht. Man muss fühlen. Das wirkt anfangs wie ein dunkler Raum. Mit guten Orientierungspunkten wird daraus aber ein tastbares System.
Warum die Reihenfolge so wichtig ist
Viele Schwierigkeiten entstehen, weil zu früh zusammengesetzt wird. Rechte Hand noch unsicher, linke Hand noch suchend, Balg schon unruhig. Dann sitzt man mitten in drei Baustellen und nennt das Üben.
Besser ist: eine Sache klar machen, dann die nächste. Rechte Hand. Linke Hand. Balg. Zwei Takte zusammen. Danach erst Tempo. Diese Langsamkeit spart Zeit, auch wenn sie sich nicht so anfühlt.
Akkordeon im Vergleich zu anderen Instrumenten
| Instrument | Was leichter wirken kann | Was beim Akkordeon speziell ist |
|---|---|---|
| Klavier | Tasten sind sichtbar | Akkordeon braucht Balgfuehrung |
| Gitarre | Begleitung schnell moeglich | Akkordeon hat Basssystem links |
| Blockfloete | kleines Instrument | Akkordeon hat mehr Koordination |
| Gesang | Koerper als Instrument | Akkordeon verbindet Koerper und Mechanik |
Was Erwachsene oft unterschätzen
Erwachsene unterschätzen selten den Anspruch. Sie überschätzen ihn eher. Was sie wirklich unterschätzen, ist der Wert kleiner Wiederholungen. Ein Basswechsel, zehnmal ruhig gespielt, verändert mehr als ein ganzes Stück, das fünfmal verkrampft durchläuft.
Auch Pausen werden unterschätzt. Nach einer kurzen Pause findet die Hand manchmal besser zurück. Der Körper sortiert im Hintergrund, wenn man ihm nicht dauernd neue Befehle gibt.
Wann es unnötig schwer wird
- wenn das Instrument zu schwer oder undicht ist
- wenn Noten zu klein oder zu voll gesetzt sind
- wenn die linke Hand nur nebenbei mitlaufen soll
- wenn das Tempo zu früh wichtig wird
- wenn Du jeden Fehler als Beweis gegen Dich liest
Eine faire Erwartung
Nach einem Monat sollte nicht alles leicht sein. Aber Du solltest besser verstehen, was Du übst. Nach drei Monaten können einfache Stücke mit Begleitung realistisch sein, wenn regelmäßig und sinnvoll geübt wird. Nach einem Jahr kann aus dem Anfang ein stabiler musikalischer Alltag geworden sein.
Akkordeon ist also schwer genug, um interessant zu bleiben. Es ist aber nicht so schwer, dass Erwachsene davor kapitulieren müssten. Die Kunst liegt im Zuschnitt des Anfangs.


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