Langsam üben klingt nach Trostpreis. Nach kleiner Lösung. Nach: Für Dich reicht es eben nicht anders. Diese Deutung ist falsch und ziemlich hartnäckig.
Beim Akkordeon hat Langsamkeit eine handfeste Aufgabe. Die rechte Hand muss den Ton finden, die linke Hand muss einen Knopf ertasten, der Balg muss die Luft tragen. Wenn das Tempo zu früh hochgezogen wird, entsteht keine Musik, sondern ein Rennen mit angezogener Handbremse.
Langsamkeit macht den Klang hörbar
Bei langsamem Spiel hörst Du, ob ein Ton steht. Du merkst, ob der Balg am Taktende einknickt. Du spürst, ob die linke Hand schon weiß, wohin sie soll, oder ob sie nur hinterher tastet.
Das ist kein Rückschritt. Es ist die Stelle, an der das Instrument anfängt, ehrlich mit Dir zu sprechen.
Ein kleines Experiment
Nimm zwei Takte und spiele sie so langsam, dass Du Dich fast darüber wunderst. Dann frage Dich: Ist jeder Ton wirklich gewollt? Kommt der Bass zu früh? Ziehst Du die Schulter hoch? Erst wenn diese Fragen beantwortbar werden, lohnt mehr Tempo.
Viele Erwachsene werden nicht durch mangelndes Talent ausgebremst, sondern durch Eile. Langsamkeit ist dann keine Bremse. Sie ist die einzige saubere Straße.
Wer spät anfängt, darf sich Zeit lassen. Musik verschwindet nicht, nur weil sie ein paar Wochen langsamer wächst.


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