Mann lernt Akkordeon

Langsam üben klingt nach Trostpreis. Nach kleiner Lösung. Nach: Für Dich reicht es eben nicht anders. Diese Deutung ist falsch und ziemlich hartnäckig.

Beim Akkordeon hat Langsamkeit eine handfeste Aufgabe. Die rechte Hand muss den Ton finden, die linke Hand muss einen Knopf ertasten, der Balg muss die Luft tragen. Wenn das Tempo zu früh hochgezogen wird, entsteht keine Musik, sondern ein Rennen mit angezogener Handbremse.

Langsamkeit macht den Klang hörbar

Bei langsamem Spiel hörst Du, ob ein Ton steht. Du merkst, ob der Balg am Taktende einknickt. Du spürst, ob die linke Hand schon weiß, wohin sie soll, oder ob sie nur hinterher tastet.

Das ist kein Rückschritt. Es ist die Stelle, an der das Instrument anfängt, ehrlich mit Dir zu sprechen.

Ein kleines Experiment

Nimm zwei Takte und spiele sie so langsam, dass Du Dich fast darüber wunderst. Dann frage Dich: Ist jeder Ton wirklich gewollt? Kommt der Bass zu früh? Ziehst Du die Schulter hoch? Erst wenn diese Fragen beantwortbar werden, lohnt mehr Tempo.

Viele Erwachsene werden nicht durch mangelndes Talent ausgebremst, sondern durch Eile. Langsamkeit ist dann keine Bremse. Sie ist die einzige saubere Straße.

Wer spät anfängt, darf sich Zeit lassen. Musik verschwindet nicht, nur weil sie ein paar Wochen langsamer wächst.

 


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2 Kommentare zu „Langsam lernen ist kein Makel“

  1. Avatar von Wily Hartmann
    Wily Hartmann

    Das kann ich mit 74 Altersjahren fest bestätigen.
    Vergessen Sie nicht zu erwähnen dass wir „im Alter“ die Tendenz kämpfen: “ Reicht mir die Zeit noch um das gesteckte Ziel zu erreichen? Diese Tendenz ist noch grösser bei Menschen die eine gesundheitliche Behinderung mit sich tragen. Jeder will so viel und so schnell wie möglich Lernen. Der Zeitdruck verbunden mit Angst sitzt im Nacken.

    Ich spielte bis zum 40. Altersjahr Akkorden als sehr begeisteter Musikant der schweizer Volksmusik. Beruflich wegen dauerndem Audlandaufenthalt musste ich das geliebte Hobby aufgeben. Nach der Pension mit 66 begann ich von neuem. Mit gänzlich neuem Fingersatz und Gebrauch ALLER 5 Knopfreihen auf der Diskantseite. Also fast von neuem. Die Angst dass die Zeit nicht mehr reicht um mindestens auf gleiches Niveau wie früher zu kommen stand mir vom ersten Tag an im Nacken. Damit umzugehen ist viel schwieriger als dass man allgemeinhin denkt!

    1. Avatar von janinarueger

      Mit diesen Gedanken bist Du nicht allein. Und auch, wenn man nicht alles erreicht: das Musizieren ist ein Gewinn 🎶

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Ich bin Janina

Janina Rüger-Aamot

Schön, dass Du hier bist und Dich für das Akkordeon und all‘ die wunderbaren Möglichkeiten, die dieses tolle Instrument zu bieten hast, interessierst.
Ich nehme Dich gern mit auf eine Reise in die Welt von Tasten, Knöpfen und Balg.

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Regelmäßig erreichen mich Eure Fragen rund um dieses tolle Instrument. Die Antworten darauf findest Du bei FAQs.
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Frag‘ den Michael:

Ich möchte Euch jemanden vorstellen der nicht nur ein unglaublicher Akkordeonexperte ist, sondern auch ein super sympathischer Mensch, der immer ein offenes Ohr für meine (und sicher auch Eure) Fragen hat: Michael Hellmer / Akkordeonbaumeister. In seinen Videos beantwortet er alle Eure Fragen zum Innenleben eines Akkordeons. Es lohnt sich:

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