Üben oder Spielen – oder beides? Warum Du beides von Anfang an brauchst

Mensch zwischen Perfektion und Genuss

Der große Irrtum beim Einstieg

Wenn wir ein Instrument lernen – besonders als Erwachsene –, neigen wir dazu, alles „richtig“ machen zu wollen.
Wir wollen Fortschritte sehen, sauber klingen, effizient lernen. Und genau da liegt die Gefahr: Wir stürzen uns ins Üben – aber vergessen das Spielen. Oder wir spielen einfach drauflos – und wundern uns, warum wir nicht besser werden.

Dabei ist klar: Du brauchst beides. Von Anfang an.

Nur üben? Führt zu Frust.
Nur spielen? Führt nicht zu Fortschritt.
Aber beides zusammen – das bringt Dich wirklich weiter.

Üben ist der Weg. Spielen ist das Ziel.

Was viele nicht wissen: Es kann sehr sinnvoll sein, mal für eine Weile Üben und Spielen von Anfang an klar zu trennen.
Denn sie erfüllen zwei ganz verschiedene Aufgaben:

  • Üben ist Dein Werkzeugkasten. Hier feilst Du, wiederholst, zerlegst, veränderst. Es geht ums Lernen, ums Anpassen, ums Dranbleiben.
  • Spielen ist Deine Bühne (ganz egal, ob im Wohnzimmer oder im Kopf). Hier geht es um Ausdruck, Klang, Flow – und um das, was Dich überhaupt zum Instrument gebracht hat: Musik.

Gerade am Anfang kann es enorm helfen, diese beiden Zustände bewusst zu trennen.
Warum? Weil viele Erwachsene das Spielen sofort mit Leistung verknüpfen.
Sie spielen – und bewerten sich dabei schon im ersten Takt:
„Das war schief.“
„Ich hab den Rhythmus vermasselt.“
„Warum kann ich das nicht?!“

Spielen fällt oft schwerer als Üben

Ja, wirklich.
Freies, genussvolles Spielen fällt uns Erwachsenen oft schwerer als strukturiertes Üben.
Warum? Weil wir gelernt haben, immer besser werden zu wollen. Weil wir uns selbst kritischer hören als andere. Weil wir Leistung erwarten – auch von unserem Hobby.

Dabei ist das Spielen der eigentliche Grund, warum Du angefangen hast.
Nicht wegen Tonleitern. Nicht wegen Taktübungen.
Sondern weil Du ein Stück spielen wolltest. Einen Klang erzeugen. Dich ausdrücken.

Genau deshalb lohnt es sich, das Spielen ganz bewusst einzuplanen.
Nicht als Belohnung.
Sondern als festen Bestandteil Deines Lernens.

Die Gefahr, nur eines zu tun

Wenn Du nur übst, wird Musik schnell zur Pflicht.
Du analysierst, bewertest, wiederholst – aber wo bleibt der Genuss?
Oft kommt dann die Frage:
„Warum mache ich das eigentlich?“
Weil das, wofür Du angefangen hast – die Musik – gar nicht vorkommt.

Wenn Du nur spielst, fehlt die Entwicklung.
Du kommst nicht weiter, wiederholst Fehler, bist vielleicht sogar genervt von Dir selbst.
Und fragst Dich:
„Warum klingt das noch immer so holprig?“
Weil das Werkzeug – das Üben – fehlt.

Beides braucht einander. Und beides ist gleich wertvoll.

So könnte es aussehen – auch bei wenig Zeit

Gerade wenn Du wenig Zeit hast, ist diese Trennung besonders hilfreich.
Denn Du kannst in kleinen Portionen beides unterbringen:

  • 5 Minuten bewusstes Üben: z. B. ein schwieriger Übergang, ein Rhythmus, ein Griffwechsel.
  • 5 Minuten Spielen: ein Stück, das Du magst, frei aus dem Bauch heraus, ohne Anspruch auf Perfektion.

So machst Du Fortschritte – und bleibst mit Freude dabei.
Denn was nützt Dir Technik, wenn der Klang Dich nicht berührt?
Und was bringt Dir Gefühl, wenn Du an den Basics hängst?

Üben mit Köpfchen, Spielen mit Herz

Hier ist ein Gedanke, der helfen kann:

  • Beim Üben darfst Du ganz bewusst verbessern.
  • Beim Spielen darfst Du ganz bewusst loslassen.

Nicht beides gleichzeitig.
Nicht „Ich spiele mal und achte gleichzeitig auf Technik, Tempo und Ausdruck.“
Das überfordert.
Mach lieber eins nach dem anderen – dafür mit vollem Fokus.

Und vor allem: Spiel auch dann, wenn Du noch nicht „fertig“ bist.
Spiel dann, wenn’s noch wackelt.
Spiel, obwohl noch nicht alles sitzt.
Denn genau durch dieses Spielen wächst Dein Gefühl für Musik – und für Dich selbst.

Dein Fortschritt ist nicht linear

Noch etwas: Erwachsene glauben oft, Fortschritt müsse sichtbar, messbar, logisch sein.
Aber Musiklernen funktioniert anders.
Manchmal scheint wochenlang nichts zu passieren – und plötzlich macht es Klick.
Ein Übergang klappt, der Ton klingt voller, das Spiel wird freier.

Das liegt nicht am Zufall, sondern daran, dass Du dranbleibst.
Dass Du Dich traust zu üben.
Und zu spielen.

Was Du tun kannst – ganz konkret

  • Plane Deine Spielzeit bewusst ein – nicht nur als „Belohnung“, sondern als eigenen Teil Deiner Übezeit.
  • Halte in Deinem Übejournal fest: „Heute habe ich einfach nur gespielt – und es war schön.“
  • Erlaube Dir beim Spielen Fehler. Lass sie durchgehen. Es ist kein Test.
  • Wenn Du Dich beim Spielen bewertest: Stopp. Atme. Wechsle den Fokus.
  • Mach aus dem Üben kleine Bausteine. Statt „Ich muss das Stück können“ lieber: „Heute arbeite ich an zwei Takten.“
  • Und: Tausch Dich mit anderen aus – z. B. auf unserer Website oder Facebook-Seite.

Fazit: Musik ist mehr als Methode

Musiklernen ist keine Checkliste. Es ist ein Zusammenspiel aus Technik und Gefühl, aus Arbeit und Ausdruck.
Wenn Du beides pflegst – das Üben und das Spielen – entsteht etwas Neues:
Dein eigener Weg zur Musik.

Und der beginnt nicht erst, wenn Du „gut genug“ bist.
Er beginnt heute. Mit dem, was Du kannst. Mit dem, was Du spielst.
Mit Dir.


Deshalb: Spiel. Üb. Verlier nie den Spaß – und trenn ruhig am Anfang ganz klar.
Denn genau dadurch wird Musik möglich.

Ich bin Janina

Janina Rüger-Aamot

Schön, dass Du hier bist und Dich für das Akkordeon und all‘ die wunderbaren Möglichkeiten, die dieses tolle Instrument zu bieten hast, interessierst.
Ich nehme Dich gern mit auf eine Reise in die Welt von Tasten, Knöpfen und Balg.

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Frag‘ den Michael:

Ich möchte Euch jemanden vorstellen der nicht nur ein unglaublicher Akkordeonexperte ist, sondern auch ein super sympathischer Mensch, der immer ein offenes Ohr für meine (und sicher auch Eure) Fragen hat: Michael Hellmer / Akkordeonbaumeister. In seinen Videos beantwortet er alle Eure Fragen zum Innenleben eines Akkordeons. Es lohnt sich: